Rehabilitation, Therapie und Hundetraining: Die drei Säulen

  • Verhaltensbiologie
  • Psychologie
  • Management und Training

VERSTEHEN – Verhaltensbiologie

Am Anfang jeder Beratung stehen eine ausführliche Anamnese und wissenschaftliche Verhaltensanalyse. Entscheidend ist eine individuelle Betrachtung, denn trotz Rasse oder enger Verwandtschaft: kein Hund ist wie der andere, jeder hat ein einzigartiges Gehirn.

Hunde zeigen in bestimmten Situationen nach bestimmten Auslösern ein bestimmtes Verhalten. Den auffälligen, ängstlichen oder aggressiven Hund gibt es ebenso wenig wie den Problemhund.

Ein Hund verhält sich biologisch sinnvoll, zweckorientiert und situativ, er versucht immer, seinen Zustand zu optimieren. Sein Verhalten wird wesentlich von zwei Zielen bestimmt: Angenehmes erreichen, Unangenehmes vermeiden.

Aggression, Angst, Stress: viele Hunde sind überfordert

In vielen Fällen der Verhaltensberatung und Hundetherapie geht es nicht um echte Störungen oder eine Krankheit. Oft zeigt ein Hund auffälliges  Verhalten, weil seine Anpassungsfähigkeit überfordert ist. Er versucht sich in seiner Umwelt, die nahezu vollständig vom Halter kontrolliert wird, zurechtzufinden.

Die Entwicklung von Eigenschaften, die einen Hund für seine Welt geeigneter machen, nennt man Adaption. Oft haben Hunde aber wenig Möglichkeiten, solche Strategien zu entwickeln – sie werden ängstlich, aggressiv, gehemmt oder überreizt.

Friedliche Strategien lernen

Ziel der Rehabilitation und des Hundetrainings ist es, eine passende Bewältigungsstrategie zu entwickeln, in der Fachsprache „Coping“ genannt. So soll der Hund wieder sein Gleichgewicht finden und lernen, mit kritischen Situationen besser sowie friedlicher umzugehen.

Es ist also meist die Umwelt, die unerwünschtes Verhalten erzeugt. In vielen Fällen geht es aber auch um normales, hundliches Verhalten, das von den Menschen als störend oder übertrieben empfunden wird.

Stress macht krank

Stress ist die häufigste Ursache auffälligen Verhaltens. Konflikte, Unsicherheit, Verlust, Schmerzen, Überforderung, Unterforderung oder gravierende Veränderungen: Die Stressursachen sind vielfältig und können unter ungünstigen Umständen zu schweren körperlichen und psychischen Erkrankungen führen.

Aggressives, unsicheres oder ängstliches Verhalten ist vielschichtig und komplex. Ein bisschen Training mit „sitz“, „platz“, „bleib“ oder „auf die Decke“ hilft da nicht weiter. Grundlegende und nachhaltige Änderungen können nur erreicht werden, wenn der Hundeexperte das Zusammenspiel von Motivation, Steuerung, Funktion, Auslösern, Konsequenzen, Situation und Kontext entschlüsseln, verstehen und dem Halter in einfachen Worten vermitteln kann.

VERARBEITEN – Psychologie

Auffälliges Verhalten zu verstehen, ist der erste Schritt zu einer Veränderung. Halter haben einen großen Einfluss darauf, was ein Hund lernt und wie er sich verhält. Dabei spielen Stimmungen und Körpersprache eine große Rolle. Soziale Unterstützung mit Ruhe, Gelassenheit, Geduld und Souveränität zählt zu den wichtigsten Bausteinen der Verhaltensberatung.

„Es ist nur Verhalten. Jedes Verhalten kann verändert werden.“
Karen Pryor, Hundetrainerin

Der wichtigste und wirkungsvollste Baustein jeder Verhaltensberatung ist das Verständnis der komplexen und vielschichtigen Mensch-Hund-Beziehung. Sie kann emotional sein, vermenschlichend, nüchtern oder gefühllos. Sie wird beeinflusst durch Erwartungen, Enttäuschungen, Bedürfnisse, Stimmungen, Unsicherheit, Angst oder Wut.

Hunde halten den Menschen mit ihrem Verhalten oft den Spiegel vor. Viele Probleme lassen sich lösen und Missverständnisse vermeiden, wenn die Beziehung klar und geordnet ist.

Emotionen sind überlebenswichtig

Verhalten hat eine Mitteilungsfunktion, ist es auffällig oder abweichend, zeigt der Hund, dass etwas nicht stimmt. Er versucht, das Ungleichgewicht zu bewältigen und wieder in Balance zu kommen. Eine wichtige Rolle dabei spielen Emotionen, wie Angst und Aggression, die für Hunde überlebenswichtig sind.

Verhalten hat auch eine Kontrollfunktion, ein Hund lernt, mit seinem Verhalten die eigene Sicherheit zu kontrollieren.

„Wir müssen nicht immer zwischen Lob und Strafe wählen. Hunde haben selbst Verstand, den wir nutzen können, um Verhaltensänderungen zu erreichen.“
Grisha Stewart, Hundetrainerin

Ein gesunder und realistischer Blick auf den Hund hilft, Missverständnisse und falsche Erwartungen zu vermeiden. Gerade oft erzählte, aber wissenschaftlich widerlegte Behauptungen gehören in den gedanklichen Papierkorb. Wer versteht, was es mit Rudel, Rangordnung oder Dominanz wirklich auf sich hat, kann Probleme und Verhaltensstörungen vermeiden und heilen.

Verarbeiten bedeutet auch, die neuen Erkenntnisse in das gemeinsame Leben zu integrieren, seine Sichtweise und Überzeugungen zu hinterfragen und Konflikte wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten sowie erste Möglichkeiten der Veränderung und Kompromisse zu suchen.

VERÄNDERN – Management und Training

Veränderungen im Rahmen der Verhaltenstherapie können das Lebensumfeld und die Haltung betreffen, es geht aber auch darum, Auslöser von bestimmten Verhaltensweisen zu managen, auf die Bedürfnisse des Hundes zu achten, ein optimales Lernumfeld zu schaffen und Stress zu reduzieren.

Das beste Verhalten unserer Hunde kommt aus ihnen selbst, nicht auf Signal. Denn Verhalten passiert einfach, umso vielfältiger es ist, umso besser für den Hund.

Wir sollten ihnen öfter die Chance lassen, Probleme und Konflikte selbst zu lösen und sie dabei unterstützen, gute und friedfertige Entscheidungen zu treffen. Es gibt aber auch Hunde, die brauchen mehr Unterstützung durch Signale und eindeutiges Verhalten ihres Menschen.

Keine Veränderung ohne Veränderung

Hunde lernen schnell, wie sie ihre Bedürfnisse nach Kontakt, Distanz, Nahrung oder Sicherheit erfüllen können. Ziel einer Verhaltensänderung sind Selbstsicherheit, soziale Kompetenz und vor allem alternative Verhaltensweisen. Denn Verhalten verschwindet nicht, sondern wird immer durch anderes Verhalten ersetzt.

Hundetraining Thüringen: Kooperation statt Konfrontation

Dabei geht es um Kooperation, nicht um Konfrontation. Denn die Anwendung von Druck oder Strafe hat unvorhersehbare Folgen: Aggression, Unsicherheit, Angst oder andere Verhaltensauffälligkeiten können ebenso auftreten wie Hilflosigkeit und fehlende Motivation, überhaupt irgendetwas zu tun.

Schreien, zerren, Schreckreize oder Spritzer aus der Wasserflasche kommen im Verhaltensrepertoire eines Hundes nicht vor und führen deshalb früher oder später immer zu Problemen.

Verantwortung übernehmen

Verhalten zu verändern ist immer ein ganzheitlicher Prozess. Nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen. Dabei kommt es vor allem auf die Menschen an. Darauf, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen und sich seiner Sicht auf den Hund, Erwartungen, Ansprüche bewusst zu machen. Denn und reagieren sehr stark auf das Verhalten seines Menschen – auf Stimmungen, Unsicherheiten und kleinste Verhaltensveränderungen. Hier kann Mentaltraining eine sinnvolle Unterstützung sein, denn Gedanken bestimmen Gefühle, die unser Verhalten unbewusst beeinflussen.
> Mehr Infos zum Mentaltraining

Verhalten verändern heißt also:

  • Vertraue deinem Hund.
  • Sorge für gute Lernmöglichkeiten und positive Erfahrungen.
  • Stärke das Selbstvertrauen.
  • Übernimm Verantwortung.
  • Kläre Handlungsspielräume mit Regeln und Grenzen.

…und das alles gemeinsam!

 

> Übersicht: Alle Infos zur Verhaltenstherapie

Mehr Informationen zum Mentaltraining für Menschen mit Hund auf meiner Seite www.deinhundistsowieduihnsiehst.de.