„Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt“: Warum Pippi Langstrumpf ist ein guter Ratgeber ist

Mentaltraining für Hundehalter

Klassisches Hundetraining ist oft eine Einbahnstraße, mit Tunnelblick und überzogener Erwartungshaltung. Der Hund soll sich anders verhalten, fertig. Problem gelöst? Mitnichten. Mentaltraining mit dem Halter ist eine große und manchmal entscheidende Hilfe, wenn es darum geht, Probleme zu lösen.

Wechselbeziehung zwischen Hund und Mensch

Hunde agieren in der Umwelt nicht allein, sie sind abhängig vom Halter, der wesentliche Entscheidungen trifft, als wichtige Bezugsperson ein Vorbild ist und entscheidend die Beziehung prägt. Sein Verhalten beeinflusst das Verhalten des Hundes maßgeblich. Hunde orientieren sich stark an ihrem Menschen, nehmen Emotionen, Stimmungen, Spannungen und manchmal auch Krankheitssymptome intensiv wahr und reagieren darauf.

Ich kenne viele Beispiele aus der Praxis, bei denen eine Verhaltensänderung des Halters einen Großteil des problematischen Hundeverhaltens geheilt hat.

„Macht die Tore weit und die Türen in der Welt auf“

Die Hund-Mensch-Beziehung ist komplex, vielschichtig und emotional, sie ist geprägt von Erwartungen, Bedürfnissen, Enttäuschungen, Stimmungen, Unsicherheiten, Angst oder Wut. Gibt es Probleme, sind wir Menschen oft in negativen Gedanken und Befürchtungen gefangen, aus denen schnell ein Teufelskreis wird. Mentaltraining und positive Psychologie können diese Blockade lösen, neue Türen öffnen und die Sicht auf seinen Hund und die Welt verändern.

Die Verbindung zwischen Mentaltraining und Verhaltensänderung des Hundes ist denkbar einfach: Aus unseren Gedanken entstehen Gefühle, aus denen Überzeugungen werden, aus denen wieder Verhalten entsteht. Oft sind es nur kleine, unbewusste Verhaltensänderungen, die eine Reaktion beim Hund auslösen.

Wie siehst du die Welt?

Das ist eine gute Nachricht: Du hast es selbst in der Hand, mit deinem Hund glücklich zu sein. Es geht darum, sein Gehirn zu trainieren und positive Vorstellungen zu verankern. Denn für das menschliche Gehirn ist es nicht entscheidend, ob etwas tatsächlich erlebt wurde oder nur in Gedanken. Es setzt in jedem Fall eine Verhaltensreaktion in Gang. Dass dir beim Gedanken an leckeres Essen das Wasser im Mund zusammenläuft, kennst du sicherlich.

Dazu kommt: Jeder sieht die Welt so, wie er sie sehen will. Das liegt an unserem Wahrnehmungsfilter. Das Gehirn kann nicht alle Reize verarbeiten und muss deshalb sortieren. Deshalb können zwei Menschen denselben Baum anschauen und während der eine kahle Äste sieht und ein negatives Bild hat, sieht der andere buntes Laub und empfindet (Farben)Freude.

Halb leer? Halb voll!

Oder herkömmlich: Für den einen ist das Glas halb voll, für den anderen halb leer. Jeder Mensch sieht und bewertet die Welt anders, es kommt auf die Stimmung an, auf Erwartungen, Erfahrungen und Bedürfnisse. Entscheidend ist, dass sich unsere Gedanken und Gefühle auch auf unser Verhalten auswirken, was wiederum einen Effekt auf das Verhalten unseres Hundes hat.

Unser Wahrnehmungsfilter ist eine verborgene Kraft! Er kann eine neue Sicht eröffnen und die Beziehung zu deinem Hund verändern. Wer sich einen Hund anschaffen möchte, der sieht plötzlich überall Hunde. Wenn es ein Labrador werden soll, dann sieht er auf einmal viele Labradore. Das alles war natürlich schon vorher da, wir haben es nur herausgefiltert. Und das bedeutet: Wir können lernen, neue Dinge zu sehen, die unser Leben positiv verändern.

Hunde halten uns den Spiegel vor

Stimmungsübertragung hat eine wissenschaftliche Grundlage. Verantwortlich dafür sind die sogenannten Spiegelneurone, also Spiegelnervenzellen. Ob man ein bestimmtes Verhalten beobachtet oder selbst ausführt: die Aktivität der Spielneurone ist gleich.

Mein Hund muss…

Jeder Mensch hat Überzeugungen und Prinzipien, sind sie fest verankert, kann man auch von Verallgemeinerungen oder Glaubenssätzen sprechen. Der Hund muss hören. Der Hund darf nicht buddeln. Der Hund darf nicht bellen. Der Hund muss links laufen.

Oft werden diese Überzeugungen gebildet, weil man sie oft hört – ob sie aber nahe an der Wahrheit sind, hinterfragen wir selten. Auch diese unbewusste Ebene ist mächtig und beeinflusst unser Verhalten.

Unser Denken erschafft unsere Realität

Glaube versetzt Berge, das ist wissenschaftlich bewiesen. Ganz sicher kennst du den „Placebo-Effekt“, unter dem wir meist verstehen, dass es keine echte Behandlung gibt. Das führt aber in die Irre. Genauer wäre der Begriff Scheinbehandlung, denn eine Behandlung findet ja statt – eine „Illusion mit nachweisbarer Wirkung“, wie Eckart Straube in seinem lesenswerten Buch „Heilsamer Zauber“  schreibt. Ein Medikament wirkt, obwohl es chemisch leer ist, weil wir daran glauben, dass es wirkt. Die seelischen Heilkräfte und die Macht der Psyche können ganz erstaunliche Auswirkungen haben.

Mit unserem Denken und unserer Sicht auf die Welt beeinflussen wir also auch das Verhalten unseres Hundes. Wir haben den Schlüssel in der Hand.

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