Gewaltfreies Hundetraining in Thüringen

Möchtest du, dass dein Hund Angst hat? Möchtest du, dass dein Hund Schmerzen hat? Möchtest du, dass sich dein Hund unwohl fühlt?

Alle Hundehalter würden diese Fragen mit „nein“ beantworten. Trotzdem wenden viele verzweifelte Halter noch immer Methoden wie Strafe (Wasserflasche, Leinenruck), Erschrecken oder Bedrohen an, die ihnen von so genannten „Hundetrainern“ als Problemlösung vermittelt werden. Das macht Hunde meist aggressiv und unsicher. Es gibt immer eine wirksame und kooperative Alternative.

Hundetrainer und Hundepsychologe Emanuel Beer als kynologische Fachperson unterstützt die Initiative für gewaltfreies Hundetraining und hat sich dem Positionspapier und dem Verhaltenskodex verpflichtet. Ich beteilige mich zudem an der Aktion „Tausche TV-Hundetrainer-Ticket gegen Training“.

Hundetraining: Fundiert und ethisch vertretbar

Die Initiative tritt für ein wissenschaftliche fundiertes, ethisch vertretbares und empathisches Training mit Hunden ein. Sie ist ein gemeinsames Anliegen von ausgewiesenen Fachpersonen im In- und Ausland mit einem kynologischen Know-how auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und zahlreichen renommierten, auch internationalen Fachorganisationen.

Verhaltenskodex: gewaltfreies Hundetraining

Wir erwarten einen freundlichen Umgang mit dem Hund, basierend auf Erkenntnissen der modernen Lerntheorie und „Canine Science“. Wir müssen uns nicht als „Alphatiere“ oder „Rudelführer“ unserer Hunde aufspielen, sondern wir müssen wissen, wie Hunde lernen und wie sie sich körpersprachlich ausdrücken. Mit diesem Wissen und genug Empathie und Erfahrung kann ein guter Trainer/eine gute Trainerin ein Hund-Mensch-Team individuell anleiten.

Lernen unter Stress nicht möglich

Ein/e TrainerIn weiß, dass ein Hund nicht gut lernt, wenn er eingeschüchtert, unter Druck oder in Angst versetzt wird und es zu Fehlverknüpfungen kommen kann. Darum arbeitet er/sie nonaversiv, das heißt ohne den Hund psychisch einzuschüchtern oder ihm physische Schmerzen zuzufügen.

Explizit nicht erlaubt:

  • Leinenrucks/Leinenimpulse
  • Anstupsen/Ankicken/Anzischen
  • Auf den Rücken werfen/drehen
  • Schlagen und Treten
  • Imitieren von Bissen mit den Händen
  • Psychologische Einschüchterung (z.B. sich drohend über den Hund beugen, anstarren, anschreien, anknurren)
  • Würgehalsbänder
  • Stachelhalsbänder
  • Elektroschockhalsbänder
  • Mit Schreckreizen wie Schütteldosen, Wurfketten/discs oder Spritzflaschen arbeiten
  • Sprühhalsbänder (egal ob Luft, Wasser, chemische Substanz oder akustischer Reiz)
  • Lendenriemen
  • Alles, was dem Hund Schmerzen zufügt und/oder ihn in Angst versetzt.

Artgerechte Hundeerziehung: Belohnung statt Bestrafung.

Sinnvolle Hilfsmittel:

  • Futter
  • Spielzeug
  • Freundlicher Körperkontakt
  • Stimme (motivierend, lobend)
  • Clicker, Target
  • Futterbeutel
  • Brustgeschirr
  • Leine, Schleppleine

Kompetente Hundetrainer…

  • verfügen über eine einschlägige Ausbildung und bilden sich laufend fort
  • kennen gesundheitliche Ursachen für unerwünschtes Verhalten
  • schliessen medizinische Ursachen aus, arbeiten mit Tierärzten zusammen
  • arbeiten bei Hund und HalterIn mit Lob und Belohnung
  • bauen das Training auf gemeinsamen Erfolgserlebnissen auf
  • gehen respektvoll mit Mensch und Hund um.

Auszug aus dem Positionspapier der Initiative für gewaltfreies Hundetraining

„Der Verzicht auf Gewalt im Umgang mit Hunden ist eine folgerichtige Konsequenz a

us dem, was wir heute über sie wissen: Sie sind empfindsame Wesen und das Säugetier Mensch ist mit ihnen evolutionär verwandt. Ein wissenschaftlich fundierter, empathischer Umgang mit Hunden, der sich im Training die Lernfähigkeit und -bereitschaft des Hundes zunutze macht, ist von daher nicht als „vermenschlichend“ zu bezeichnen. Er ist vielmehr Ausdruck unserer Fähigkeit und Verantwortung, neue Erkenntnisse in Handeln umzusetzen, und so auch der Verantwortung, die wir gegenüber unseren Hunden und als Hundehalter gegenüber der Gesellschaft haben, gerecht zu werden.

Rudelhierarchie: überholte Theorie

(…) Vielfach steht der gewaltsame Umgang in Zusammenhang mit der längst überholten Theorie einer Rudelhierarchie, in welcher der Mensch die Herrschaft innehat und sich gegen „Umsturzversuche“ durch den Hund verteidigen muss, meist mit aversiven Mitteln, also mit Schmerzen oder durch psychischen Druck. Nicht nur ist diese Theorie wissenschaftlich überholt (vgl. Bradshaw, Yin) – die auf ihr basierenden Methoden sind für Mensch, Hund und mithin für das soziale Umfeld häufig gefährlich. Aversiv trainierte Hunde neigen eher zu Aggression gegenüber Menschen (vgl. Herron).

(…) Wer jedoch mit Körpersprache und Lernverhalten des Hundes vertraut ist, dem genügt ein Blick um zu erkennen, dass der durch Einschüchterung und Gewalt angeblich therapierte Hund nicht „geheilt“, sondern traumatisiert, apathisch und hilflos ist.“

Mehr Informationen und eine Übersicht über alle Unterstützer:
Initiative für gewaltfreies Hundetraining

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