Angst, Aggression, Stress: Die häufigsten Störungen des Hundeverhaltens

Aggression

Aggression ist eine angeborene und überlebenswichtige Emotion, die bestimmte Verhaltensweisen auslöst (knurren, drohen, beißen, erstarren, fixieren). Ziel ist eine Vergrößerung der Distanz und damit Bedrohungen oder Störungen zu beenden. Aggressive Verhaltensweisen haben oft eine Vorgeschichte der Angst.

Typische Auslöser aggressiven Verhaltens sind körperliche Einschränkung (Leine, Zäune), Frustration, Bedrohung, Verteidigung, Schmerz, Konflikte, Stress, Angst und körperliche Strafe.

Angst und Furcht

Angst ist eine Emotion, sie wird unbewusst gesteuert und kann nicht durch Zuwendung verstärkt werden. Angst ist sehr sinnvoll und wichtig fürs Überleben.

Angst und Stress sind eng miteinander verbunden, ängstliche Hunde sind oft gestresst. Häufig treten bei Hunden Gewitter- oder Geräuschangst auf. Kann ein Hund nicht alleine bleiben, handelt es sich nicht um Angst, sondern um Stress, man spricht also von Trennungsstress oder dem „Separation Distress Syndrome“.

Trennungsreaktionen sind eigentlich ganz normal. Hunde sind sehr soziale Tiere. Hat ein Hund aber große Probleme mit der Trennung von seiner Bezugsperson, ist diese Situation aus seiner Sicht dann eine Gefahr für Leben und Wohlbefinden. Entsprechend reagiert der Hund mit bellen, jaulen oder der Zerstörung von Gegenständen.

Hyperaktivität

Hyperaktive Hunde haben Schwierigkeiten, sich über einen längere Zeitraum zu konzentrieren. Sie sind oft ungestüm und reizempfindlich, sie versuchen sich mit Renn- oder Kauanfällen abzureagieren und zeigen schnelle Reaktionen auf kleinere Auslöser.

Oft haben hyperaktive Hunde auch Schwierigkeiten, eine stabile Bindung zu ihrem Halter herzustellen. Manchmal nehmen sie für Aufmerksamkeit sogar Strafen in Kauf.

Territorialverhalten und Bellen

Territorialverhalten ist völlig normal, die Menschen haben Hunde schon seit jeher für die Aufgabe als Bewacher gezüchtet. Bei Territorialität spielen Veranlagung und Erfahrungen eine sehr wichtige Rolle. Damit Territorialität nicht problematisch wird, ist ist eine Sozialisation an Menschen besonders wichtig. Zum Territorium können der Garten, das Auto oder die Wohnung gehören.

Auch Bellen ist für Hunde ein normales Verhalten, eine Therapie kann die Häufigkeit aber vermindern. Bellen hat verschiedene Gründe, ist in jedem Fall aber ein Zeichen für erhöhte Erregung.

Zwangsstörungen

Zwangsstörungen und Stereotypien sind oft nur schwer voneinander abzugrenzen und werden deshalb in der Regel unter dem Begriff „Abnormal repetitive Verhaltensweisen“ zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um Verhaltensweisen, die Stress abbauen. Zu diesen Störungen gehören zum Beispiel Schwanzjagen, Selbstverstümmelung, Flankensaugen und Fliegenschnappen.

Stress

Hunde sind gestresst, wenn ihre Anpassungsfähigkeit überfordert ist. Viele körperliche Beschwerden werden durch Angst, Überforderung, Unsicherheit, Frust oder Stress ausgelöst.

Die Stressreaktion ist unwillkürlich, das heißt, der Hund kann sie nicht willentlich beeinflussen. Die akute Reaktion auf eine stressende Situation ist eine wichtige Lebensfunktion. Sie kann dazu führen, die Situation zu bewältigen, die Belastung zu beenden und nach einer Erholungsphase wieder in Ausgangszustand zurückzukehren. Dann spricht man von kontrolliertem Stress.

Anhaltender, also chronischer und unkontrollierter Stress, ist durch die hohe Belastung des Körpers mit dem Stresshormon Cortisol dagegen schädlich und verursacht oft körperliche Schäden. Der Hund erlebt einen Kontrollverlust, ist hilflos und stuft immer mehr Situationen als stressend ein.

Stress hat häufig problematische Auswirkungen, er macht Hunde leicht reizbar und kann aggressive Verhaltensweisen nach sich ziehen. Häufige Ursachen für Stress sind Über- oder Unterforderung, Konflikte, Isolation und Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Stressbedingte Erkrankungen sind unter anderem Entzündungen, Depressionen, Magen-Darm-Erkrankungen, Hautprobleme, Appetitlosigkeit und Herzerkrankungen.

Weitere Störungen können das Fressverhalten betreffen, wie zum Beispiel Kopophragie (Aufnahme von Kot), das Nagen und die Zerstörung von Gegenständen oder Pica (Fressen von Dingen, die zum Verzehr ungeeignet sind). Probleme treten auch beim Ausscheiden und Markieren auf (zum Beispiel Stubenunreinheit).

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